Wenn ein Ruhetag das Nervensystem überfordert

Alles nur wegen einem geschlossenen Restaurant. Ich habe mich darauf eingestellt. Vielleicht innerlich schon bestellt. Und dann: Türe zu. Licht aus. Ruhetag.
Für viele ist das ein Schulterzucken. Handy raus. Nächstes Restaurant suchen. Kein grosses Ding.
Für mich kann genau so eine Situation plötzlich Stress auslösen. Nicht, weil ich nichts finde, sondern weil innen gleichzeitig sehr viel passiert, was von aussen banal aussieht und für andere oft schwer nachvollziehbar ist.
Plötzlich sind da Optionen, Erwartungen, soziale Dynamiken, Zeitdruck, Hunger, Müdigkeit, eigene Ansprüche. Alles auf einmal. Kein Filter. Das Nervensystem schaltet auf: Ich sollte funktionieren, aber mir entgleitet gerade die Kontrolle.
Das ist ein klassischer Mikro-Überlastungs-Moment. Und er hat viel mit ADHS zu tun. Nicht im Sinn von «zu wenig Fokus», sondern eher im Gegenteil: zu viel ungefilterte Reiz- und Bedeutungsverarbeitung. Alles kommt gleichzeitig rein.
In diesem Zustand passiert etwas Entscheidendes: Die Fähigkeit, Überforderung früh wahrzunehmen und zu benennen, ist stark eingeschränkt. Nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil das System bereits an der Kapazitätsgrenze läuft.
Was dann folgt, ist ein Schutzmechanismus. Entweder Rückzug. Innerlich zumachen. Oder Externalisierung: Gereiztheit, Ungeduld, Enttäuschung über mich, die sich dann auf andere richtet. Beides dient demselben Zweck: Die innere Spannung muss irgendwo hin.
Die bekannte negative Spirale – in Beziehungen, in der Familie, in Projekten – entsteht oft nicht durch das Ereignis selbst, sondern durch den verpassten Moment davor.
Den Moment, in dem eigentlich etwas anderes wahr gewesen wäre:
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Ich bin gerade überfordert.
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Ich fühle mich etwas hilflos.
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Ich verliere den Überblick
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Und ich schäme mich vielleicht sogar dafür.
Das sind verletzliche Zustände. Viele neurodivergente Menschen haben gelernt: Wenn ich das zeige, wird es kompliziert oder einfach nicht verstanden. Oder ich kann das in meiner Rolle doch so nicht zeigen. Also wird es umgewandelt.
Diesmal hatte ich – vor dem geschlossenen Restaurant – Glück. Nicht weil die Situation einfacher war, sondern weil mir jemand nicht nur nett, sondern auch co-regulierend begegnet ist. Kein «Ist doch nicht schlimm», sondern: Ich verstehe, was gerade in dir passiert – und du musst das nicht alleine halten.
Das wirkt. Nicht nur emotional, sondern körperlich. Die Übererregung sinkt. Ich kann sagen, was ich brauche. Die Spirale stoppt.
Vielleicht ist das ja die wichtigste Erkenntnis: Überforderung ist selten ein persönliches Versagen. Und sie eskaliert vor allem dann, wenn wir sie alleine tragen wollen.
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