Wie ich unerwartet Lobbyist im Bundeshaus wurde

😉 Das Leben nimmt manchmal unerwartete Wendungen. Ich muss lachen, wenn ich daran denke, dass ich nächste Woche als Lobbyist im Bundeshaus sein werde. Das war alles nicht so geplant. Aber alles der Reihe nach…
Nach dem Studium wollte ich in die Politik. So wurde ich zuerst Parteisekretär der Grünen Stadt Zürich, wechselte dann als Kommunikationsleiter der Mediengewerkschaft Comedia (heute Syndicom) auf die nationale Bühne und hatte schliesslich als Mediensprecher von Amnesty International Schweiz für einige Jahre meinen Traumjob gefunden.
Doch ich hatte und habe Mühe mit der Tatsache, dass politische Organisationen zwar grosse Ressourcen mobilisieren und langfristige Ziele verfolgen können, sich aber so schwer damit tun, gesellschaftliche Impulse aufzunehmen, Pläne über den Haufen zu werfen und Neues zu wagen.
Beflügelt durch meinen nächsten Job bei der Zürcher Agentur Feinheit habe ich viel über Digitalisierung und Demokratie nachgedacht. So kam es, dass ich vor 10 Jahren in einer Pizzeria eine Idee auf eine Serviette kritzelte: «Unterschriften sammeln im Internet». Das war die Geburtsstunde der Demokratie-Plattform WeCollect. Bis heute haben wir über 800’000 Unterschriften für 95 Initiativen und Referenden gesammelt.
Nicht nur die WeCollect-Community ist auf weit über 150’000 Personen angewachsen, sondern auch das Netzwerk darum herum. Die Initiativen und Referenden brachten mich in Kontakt mit Politiker:innen und Behörden, mit grossen Organisationen und kleinen Netzwerken.
Eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten, die ich kennen gelernt habe, ist @islamalijaj. Der Initiant der Inklusionsinitiative sitzt heute als erster Politiker mit Cerebralparese im Nationalrat.
Als Islam mir einen seiner «Badges», eine Art Hausschlüssel zum Bundeshaus, anbot, wusste ich zuerst nicht, wie ich reagieren sollte. Ich in der Wandelhalle? Ich bin zwar schon lange in der Politik, aber als Lobbyist habe ich mich noch nie gesehen.
Aber wo könnte ich meine Vision, die Demokratisierung der Demokratie, besser umsetzen als dort, wo alle politischen Entscheidungen getroffen werden? Darum wage ich den Sprung und werde mich ab der Sommersession im Bundeshaus für die Anliegen der WeCollect-Community einsetzen.
Noch bin ich etwas kribbelig, wie mir dieser Rollenwechsel gelingen wird. Als «Crowd-Lobbyist» in Bern habe ich weder Vorbilder noch eine klare Vorstellung davon, was mich erwartet. Was ich habe, ist die Überzeugung, dass es an der Zeit ist, unsere Demokratie zu stärken, weiterzuentwickeln und inklusiver zu gestalten.
Last but not least: Danke für eure grossartige Unterstützung und euer riesiges Vertrauen in den letzten Jahren! Ohne euch, wäre das alles gar nie möglich gewesen. 💙
PS: Lobbying ist arbeitsintensiv und braucht sehr, sehr viel Zeit. Wenn du mir Zeit schenken möchtest, dann gerne über eine Spende an die Demokratie-Plattform WeCollect. wecollect.ch/spenden
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Dieser Beitrag erschien zuerst am 26. Mai 2024 auf X.


